Wulff will heimlich baden gehen

Von Alfred Meiborg
BESUCH Ministerpräsident besuchte Van-Ameren-Bad und war schwer beeindruckt
Der CDU-Politiker war zu einem Sprung ins Schwimmbecken nicht zu bewegen. Aber er ist auch so nass geworden.


Emden - Obwohl Tini Großmann, eine der treuen Seelen im Förderverein Van-Ameren-Bad, heute bei strömendem Regen fast noch nichts eingenommen hat: Der Mann mit Brille und blauem Anorak, der am Kassenhäuschen vorbeigeht, hat freien Eintritt. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff will sich das Emder Erfolgsmodell des privat geführten Bades anschauen. „Tolle Sache“, lobt der CDU-Politiker, der auf Sommertour ist.
Er spricht mit den Schwimmmeistern Inge Lübben und Stephan Renken und marschiert dann in strömendem Regen zum Schwimmbecken. Darin ziehen Maike Gördes und Barbara Schulte ihre Bahnen. Für Wulff halten sie an. „Im Wasser ist es angenehmer als hier“, meint er. Fürs Foto reinspringen? „Kommt nicht in Frage.“
In der trockenen Halle warten die Helfer. Sie tragen weiße Pullover mit der Aufschrift „min Bad - din Bad - unser Bad“. Gerrit Symens, Vorsitzender des Fördervereins, lobt den Zusammenhalt. „Wir schreien nicht nach dem Staat, sondern packen an. Ehrenamtliche Arbeit ist keine Last, sondern eine Freude.“ Er erzählt die 14-jährige Erfolgsgeschichte des privat geführten „Edelzentrums“. Wulff zollt Anerkennung: „Solche Leute sind die wahren Vorbilder in unserem Land.“
Der Gast aus Hannover bekommt von Kassenwart Johann Wilts eine Beitrittserklärung in die Hand gedrückt. Wulff füllt sie an Ort und Stelle aus und verpflichtet sich für fünf Jahre Mitgliedschaft. Das wird ihn 50 Euro kosten. „Heute Abend steht er schon in der Kartei“, verspricht Johann Wilts.
Das neue Mitglied unterhält sich mit Marga Janssen (84 Jahre) und Rudolf Popp (83 Jahre). „Wenn Schwimmen jung hält, muss ich auch mehr ins Wasser“, sagt Wulff. Kann er denn überhaupt schwimmen? „Klar. Man muss als Politiker schwimmen können, weil die Gefahr groß ist, dass man baden geht.“
Das ist das Stichwort. Christian Wulff will irgendwann früh morgens im Van-Ameren-Bad einige Runden schwimmen. „Bevor die Journalisten anfangen zu arbeiten.“ Sein Emder Landtagskollege Reinhard Hegewald will dem Regierungschef nicht nach stehen. Der Mann, der sich „zwei linke Hände“ bescheinigt, will bei der nächsten Reinigungsaktion im Bad mithelfen, wenn man ihm unfallsicheres Werkzeug gibt. „Wir haben Schrubber.“ Die Ehrenamtlichen vergessen einen Moment die katastrophale Saison. „Sie haben wenigstens keine Ausgaben für die Liegeflächen“, tröstet Wulff.

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